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Zustand von Vintage-Kleidung beschreiben: Stufen, Mängel, Recht

Ein eigenes Zustands-Glossar sagt deinen Käufern, was „Sehr gut“ in deinem Shop bedeutet. Hier bekommst du fünf Stufen zum Übernehmen, Bausteine für Mängel, die Umsetzung in Shopify und den rechtlichen Rahmen in Deutschland.

Von Klamox · Stand:

Warum dein Shop ein eigenes Zustands-Glossar braucht

Auf Marktplätzen wählst du den Zustand aus einer festen Liste. Vinted unterscheidet „Neu“, „Wie neu“, „Sehr gut“, „Gut“ und „Zufriedenstellend“. „Sehr gut“ heißt dort: „Ein selten benutzter Artikel in ausgezeichnetem Zustand, mit geringfügigen Mängeln, die weder das Gesamtbild noch die Nutzung beeinträchtigen.“ eBay bietet für gebrauchte Kleidung „Gebraucht – Hervorragend“, „Gebraucht – Gut“ und „Gebraucht – Akzeptabel“ an (eBay-Hilfe: Artikelzustand nach Kategorie), jede Stufe mit einer Definition, auf die sich beide Seiten berufen können.

Im eigenen Shopify-Shop legt niemand die Stufen für dich fest. „Sehr gut“ bedeutet dann, was du darunter verstehst, und der Käufer merkt es erst, wenn das Paket ankommt. Shopify rät in seinem deutschen Blog, eine Zustandsübersicht oder ein Glossar anzulegen und auf den Produktseiten zu verlinken, liefert aber keins. Ein brauchbares Glossar hat wenige Stufen, zu jeder Stufe eine Grenze nach unten und einen festen Ort: eine eigene Seite in deinem Shop, angelegt unter Onlineshop > Seiten > Seite hinzufügen (Shopify-Hilfe zu Seiten), auf die jedes Produkt verlinkt.

Die Skala: fünf Stufen mit Beispielen aus der Kleidung

Die folgenden Stufen sind ein Vorschlag, keine Norm. Bewertet wird nur der Zustand. Alter, Seltenheit und Marke gehören in die Beschreibung: Ein gesuchter 70er-Pullover mit Mottenloch ist „Mit Mängeln“, auch wenn er selten ist. Die Sätze hinter „Fürs Glossar“ kannst du direkt übernehmen.

1. Neu mit Etikett

Fürs Glossar: „Ungetragen, das Originaletikett hängt noch am Teil.“

Typisch: Deadstock, also nie verkaufte Altware mit Hängeetikett. Nicht mehr hier: ungetragene Teile ohne Etikett (Stufe 2) und ungetragene Teile mit Lagerflecken oder vergilbten Stellen (Stufe 5, mit dem benannten Mangel).

2. Neuwertig

Fürs Glossar: „Ungetragen ohne Etikett oder nur sehr selten getragen. Auch bei genauem Hinsehen keine Spuren.“

Typisch: ein Hemd, das einmal zu einem Anlass getragen wurde. Nicht mehr hier: erstes Pilling, glänzend abgeriebene Stellen, nachgebende Bündchen.

3. Sehr gut

Fürs Glossar: „Getragen, mit leichten Spuren, die man erst aus der Nähe sieht. Kein Mangel.“

Typisch: leichtes Pilling unter den Armen, minimal hellere Farbe an den Nähten. Nicht mehr hier: Spuren, die man beim Tragen aus normaler Entfernung sieht.

4. Gut

Fürs Glossar: „Deutlich getragen, mit sichtbaren Spuren. Kein Loch, kein Fleck, alles funktioniert.“

Typisch: Pilling auf größeren Flächen, gleichmäßig ausgeblichener Denim, etwas ausgeleierte Bündchen. Nicht mehr hier: alles, was man reparieren oder entfernen müsste.

5. Mit Mängeln

Fürs Glossar: „Mindestens ein Mangel, der in der Beschreibung einzeln benannt und auf einem Foto gezeigt ist.“

Typisch: Loch, Fleck, offene Naht, defekter Reißverschluss, fehlender Knopf, Geruch. Wer gern repariert, sucht genau solche Stücke, solange er vorher weiß, was er bekommt.

Zahlen statt Wörter?

Eine Zahlenskala wie „9/10“ funktioniert nur mit einer Legende auf der Glossar-Seite, zum Beispiel: 10 = Neu mit Etikett, 9 = Neuwertig, 8 = Sehr gut, 7 = Gut, 6 und weniger = Mit Mängeln. Ohne Legende liest jeder Käufer etwas anderes aus der Zahl.

So passen deine Stufen zu eBay und Vinted

Verkaufst du parallel auf Marktplätzen, hilft eine feste Zuordnung. Sie ist eine Annäherung; maßgeblich ist die Definition des jeweiligen Marktplatzes.

Deine StufeeBayVinted
Neu mit EtikettNeu mit EtikettNeu, wenn die Originalverpackung dabei ist, sonst Wie neu
NeuwertigNeu ohne Etikett (nie getragen) oder Gebraucht – HervorragendWie neu (nie getragen) oder Sehr gut
Sehr gutGebraucht – HervorragendSehr gut
GutGebraucht – GutGut
Mit MängelnGebraucht – Gut oder Akzeptabel, je nach MangelGut oder Zufriedenstellend, je nach Mangel

Für ungetragene Teile mit Fehlern kennt eBay zusätzlich „Neu mit Mängeln“.

Mängel benennen: Checkliste und Formulierungsbausteine

Prüf jedes Teil in derselben Reihenfolge und bei hellem, neutralem Licht: Vorderseite, Rückseite, Kragen innen und außen, Achseln, Bündchen, Saum, Taschen, Verschlüsse, Futter, Etikett. Zum Schluss riechst du daran. Diese Mängel solltest du benennen; die Liste folgt im Kern der Vinted-Hilfe:

  • Flecken und Verfärbungen, auch vergilbte Kragen und Achseln
  • Löcher, Risse, offene Nähte, Mottenfraß
  • Pilling und glänzend abgeriebene Stellen
  • Ausbleichen, etwa durch Sonnenlicht
  • Gerüche: Rauch, Lager, Parfüm
  • Änderungen: gekürzt, enger genäht
  • ausgedehntes oder eingelaufenes Material
  • fehlende Knöpfe, Gürtel oder Kordeln
  • defekte oder schwergängige Reißverschlüsse
  • rissiger oder abgeplatzter Aufdruck
  • fehlendes oder herausgetrenntes Etikett

Der Baustein: Was, wo, wie groß, wie sichtbar

Ein Mangel ist gut beschrieben, wenn sich der Käufer ihn auch ohne Foto vorstellen kann. Dafür reichen vier Angaben: was es ist, wo es sitzt, wie groß es ist (in cm) und ob man es beim Tragen sieht. Beispiele zum Anpassen:

  • „Kleiner Fleck (ca. 1 cm) am linken Ärmelbündchen, beim Tragen kaum sichtbar.“
  • „Zwei kleine Löcher (je ca. 2 mm) im Rückenteil unter dem Kragen, siehe Foto 6.“
  • „Reißverschluss läuft etwas schwer, schließt aber vollständig.“
  • „Saum wurde gekürzt, die Naht ist sauber. Die Länge steht bei den Maßen.“
  • „Pflegeetikett fehlt, deshalb ohne Materialangabe.“

Formeln wie „Gebrauchsspuren vorhanden“ oder „siehe Fotos“ sagen für sich allein nichts; sie taugen höchstens als Einleitung vor der konkreten Angabe. Nenn das Material nur, wenn das Pflegeetikett es belegt. Wie du Maße angibst, steht im Ratgeber Kleidung ausmessen.

Jeder Mangel bekommt ein eigenes Foto

Vinted empfiehlt, für jeden Mangel ein eigenes Foto hochzuladen und ihn zusätzlich in der Beschreibung zu erklären. eBay schreibt zu allen drei Gebraucht-Stufen, dass Gebrauchsspuren und Mängel im Angebot gezeigt und beschrieben werden sollen. Im eigenen Shop gilt dasselbe: Ein Mangel, den der Käufer vorher gesehen hat, überrascht ihn nicht mehr.

  • Nah und im Zusammenhang. Eine Nahaufnahme zeigt den Mangel, ein Foto aus etwas Abstand zeigt, wo er sitzt. Bei kleinen Mängeln hilft ein Lineal daneben.
  • Keine Schönfärberei. Kein Filter, kein Weichzeichner, kein Retuschieren. Ein Foto, das den Zustand besser aussehen lässt, macht die beste Beschreibung wertlos.
  • Feste Reihenfolge. Erst Vorder- und Rückseite, dann Details, dann die Mängel, das Etikett-Foto ganz am Ende. Bei Shopify ist das erste Medium das Hauptbild; es erscheint auf Kollektionsseiten, im Warenkorb, im Checkout und auf der Startseite (Shopify-Hilfe zu Produktmedien). Ein Mängelfoto gehört nicht an diese Stelle.

Zustand im Shopify-Shop zeigen

Ein eigenes Standardfeld für den Zustand nennt die Shopify-Hilfe nicht. Drei Wege lassen sich kombinieren.

1. Eine feste Zeile in der Beschreibung

Der einfachste und wichtigste Weg: Setz den Zustand an den Anfang der Beschreibung, bei jedem Produkt im selben Muster und mit Link auf dein Glossar. Etwa so: „Zustand: Sehr gut. Leichtes Pilling unter den Armen (Foto 5). Was die Stufen bedeuten, steht im Zustands-Glossar.“ Shopify schlägt vor, Angaben wie Größe und Material in die Produktbeschreibung aufzunehmen; bei Gebrauchtware gehört der Zustand genauso dazu.

2. Ein Tag für Filter und Kollektionen

Mit Tags wie zustand-sehr-gut oder zustand-mit-maengeln baust du Filter oder automatisierte Kollektionen, etwa „Zum Reparieren“. Shopify rät, in Tags nur normale Buchstaben, Zahlen und den Bindestrich zu verwenden und Zeichen mit Akzenten zu vermeiden, daher „maengel“ statt „mängel“. Tags werden laut Shopify außerdem von Suchmaschinen nicht verwendet (Shopify-Hilfe zu Tags). Der Tag ersetzt die Zeile in der Beschreibung also nicht.

3. Ein Metafeld, das dein Theme anzeigt

Soll der Zustand als eigene Zeile erscheinen, etwa unter dem Preis, legst du unter Einstellungen > Metafelder und Metaobjekte ein Produkt-Metafeld vom Typ „Einzeiliger Text“ an, zum Beispiel custom.zustand. Im Theme-Editor verbindest du es über „Dynamische Quelle verbinden“ mit einem Block, sofern dein Theme das unterstützt (Shopify-Hilfe zu Metafeldern im Shop). Ausführlicher erklärt das der Ratgeber zum Ausmessen am Beispiel der Maße.

Und Google?

Landen deine Produkte im Google Merchant Center, ist das Attribut condition für jedes gebrauchte Produkt Pflicht, mit einem der Werte new, refurbished oder used (Google-Hilfe zum Attribut condition). Für Vintage passt in aller Regel used; Googles eigenes Beispiel sind High Heels aus den 1930er-Jahren. new meint ein unbenutztes Produkt in ungeöffneter Originalverpackung, was ein ungetragenes Vintage-Teil mit Etikett oft nicht erfüllt. Die CSV-Spalte „Google Shopping / Condition“ nutzt der Kanal Google & YouTube laut Shopify nicht (Shopify-Hilfe zur Produkt-CSV). Prüf deshalb an einem Testprodukt, welcher Zustand im Merchant Center ankommt.

Den Zustand bei jedem Teil gleich einstufen

Das beste Glossar hilft nur, wenn du es beim hundertsten Teil des Tages genauso anwendest wie beim ersten. Drei Gewohnheiten helfen dabei:

  • Das Glossar liegt am Arbeitsplatz, ausgedruckt neben dem Fototisch.
  • Im Zweifel die niedrigere Stufe. Das rät auch Vinted, denn dort kann der Käufer stornieren oder zurücksenden, wenn ein Artikel deutlich schlechter ist als beschrieben. Faustregel: Besser als beschrieben ist die Überraschung, die du willst.
  • Stichproben, wenn mehrere einstufen. Lasst ab und zu dasselbe Teil von zwei Personen bewerten und sprecht über jede Abweichung.

Notier die Stufe neben der Artikelnummer. Wie ein Nummernsystem für Unikate aussieht, steht im Ratgeber zum SKU-System für Einzelstücke.

Wenn eine KI den Zustand vorschlägt

Klamox kann den Zustand aus deinen Fotos vorschlagen, aber nur, wenn du ihn im Workflow anschaltest: als Tag in der Karte „Tags & Kollektionen“ oder als Feld „Zustand“ in der Karte „Eigene Felder (Metafelder)“ mit der Quelle „Automatisch — am Produkt sichtbar“. Neue Felder stehen auf „Automatisch — steht auf dem Etikett“: Dann sucht die KI den Zustand auf dem Etikett-Foto, und ein Feld namens „Zustand“ liefert auch den Wert für den Zustands-Tag. In der Vorlage „Vintage“ ist der Zustands-Tag schon ausgewählt.

  • Die KI kennt deine Stufen nicht. Sie sieht alle Fotos des Teils und schlägt für den Zustands-Tag einen kurzen Wert vor, etwa „Sehr gut“ oder „9/10“. Der Tag übernimmt ihn so, wie sie ihn liefert, also „Sehr gut“ statt zustand-sehr-gut. Willst du deine eigene Stufe, schreib sie auf das Kärtchen, das du als Etikett-Foto mitfotografierst, und lass das Feld „Zustand“ bewusst auf der Etikett-Quelle. Handschrift erkennt die KI dabei deutlich schlechter als Druck.
  • Prüfen im Entwurf. Neue Produkte entstehen standardmäßig als Entwurf. Dort korrigierst du die Stufe, bevor das Teil sichtbar wird. Solange du Zustandsangaben nicht prüfst, stell den Workflow nicht auf „Sofort aktiv“.
  • „Condition 9/10.“ ist keine Bewertung. Diesen Satz findest du in zwei Fällen. Im Beschreibungsmodus „Fester Wert“ ist er in vielen Workflows voreingestellt und steht dann wortgleich bei jedem Teil; nach der Legende oben hieße das „Neuwertig“ für alles. Im Modus „Automatisch“ erscheint er, wenn die KI ausnahmsweise keine Beschreibung liefert. Ersetz den festen Text im Workflow durch eine eigene Zeile und den Platzhalter im Entwurf, bevor du veröffentlichst.
  • Fotos einplanen. Die Zahl der Produktfotos je Teil ist im Workflow fest eingestellt (1, 2, 3, 4, 5, 6, 8 oder 10), und die Fotos werden streng nach Reihenfolge verteilt. Mängelfotos müssen in diese Zahl passen, sonst verschiebt ein zusätzliches Foto alle folgenden Teile. Das Etikett-Foto steht am Anfang oder am Ende jeder Gruppe (Standard: am Ende), nie zwischen den Produktfotos, und geht standardmäßig nicht in den Shop.
  • Metafeld ohne Auswahlliste. Das Werkzeug schreibt eigene Metafelder als einzeiligen Text, und die KI liefert freien Text, der nicht an deine Stufen gebunden ist. Leg das Zustands-Metafeld deshalb als „Einzeiliger Text“ ohne feste Auswahlliste an.

Für die Angaben im Shop bist am Ende du verantwortlich, nicht die Software. Den ganzen Ablauf zeigt die Seite Funktionen.

Was in Deutschland rechtlich dahintersteht

Seit dem 1. Januar 2022 gilt ein geändertes Kaufrecht (Übergangsregel: Art. 229 § 58 EGBGB). Ware muss seitdem auch den „objektiven Anforderungen“ entsprechen, also unter anderem eine Beschaffenheit haben, „die bei Sachen derselben Art üblich ist und die der Käufer erwarten kann“ (§ 434 Abs. 3 BGB). Was der Käufer erwarten kann, bemisst das Gesetz ausdrücklich auch nach der Art der Sache und nach öffentlichen Äußerungen des Verkäufers, „insbesondere in der Werbung oder auf dem Etikett“. Formulier dein Glossar deshalb nicht großzügiger, als deine Teile es halten. Verkaufst du als Unternehmer an Verbraucher, kannst du von den objektiven Anforderungen nach § 476 Abs. 1 Satz 2 BGB nur abweichen, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Der Verbraucher wurde vor der Abgabe seiner Vertragserklärung „eigens davon in Kenntnis gesetzt“, dass ein bestimmtes Merkmal der Ware von den objektiven Anforderungen abweicht.
  2. Die Abweichung wurde „im Vertrag ausdrücklich und gesondert vereinbart“.

Der Wortlaut verlangt also mehr als eine gute Beschreibung: einen eigenen Hinweis auf das konkrete Merkmal und eine gesonderte Vereinbarung. Dasselbe Verfahren schreibt § 476 Abs. 2 BGB vor, wenn du die Verjährung der Mängelansprüche bei gebrauchter Ware verkürzen willst; weniger als ein Jahr ist dabei nicht möglich.

Wie du das in deinem Shop umsetzt, klärst du am besten mit einer Anwältin, einem Anwalt oder deinem Händlerverband. Bei Shopify kommt eine technische Grenze dazu: Eigene Elemente in den Checkout-Schritten Information, Versand und Zahlung sind über Checkout-UI-Erweiterungen nur in Shops mit Shopify Plus möglich (shopify.dev: Checkout-UI-Erweiterungen). Ob ein anderer Weg rechtlich genügt, kann dieser Ratgeber nicht beantworten.

Wichtig: Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Er gibt den Gesetzeswortlaut wieder, abgerufen am 4. November 2026, und betrifft nur deutsches Recht. Für Österreich, die Schweiz und andere Länder gelten eigene Regeln.