Warum Maße mehr sagen als die Größe auf dem Etikett
Die Größe auf dem Etikett ist eine Angabe des Herstellers: für ein neues Teil, nach dem Schnitt einer bestimmten Marke, in einem bestimmten Jahrzehnt. Bei Vintage- und Secondhand-Mode kommt dazu, was seitdem mit dem Stück passiert ist. Es kann gekürzt, enger genäht oder beim Waschen eingelaufen sein. Ein „L“ aus den Neunzigern und ein „L“ von heute müssen nicht gleich ausfallen.
Maße beschreiben dagegen genau das Teil, das du verkaufst. Die Größe vom Etikett nennst du trotzdem, denn danach filtern und suchen Käufer. Die Maße ergänzen sie und beantworten die Frage, um die es beim Kauf eigentlich geht: Passt mir das?
Eine Tabelle nach dem Muster „50 cm Achsel zu Achsel = Größe L“ findest du hier bewusst nicht. Marken und Jahrzehnte schneiden zu verschieden, als dass eine solche Umrechnung verlässlich wäre. Der bessere Rat an deine Käufer gehört direkt ins Listing: „Leg ein Teil, das dir gut passt, flach hin und miss es genauso nach.“
So misst du richtig: flach, glatt, eindeutig
Du brauchst ein weiches Schneidermaßband, einen Tisch oder eine andere glatte Fläche und ein paar Minuten Ruhe je Teil. Die folgenden Regeln sind keine Norm, sondern bewährte Praxis. Entscheidend ist, dass du sie bei jedem Teil gleich anwendest.
- Flach hinlegen, glatt streichen, nicht ziehen. Reißverschluss und Knöpfe schließen, Ärmel und Kapuze ordentlich ausrichten. Das Maßband liegt gerade, nicht schräg.
- Flachmaß kennzeichnen. Schreib „flach gemessen“ dazu. Ohne diesen Hinweis hält ein Käufer die 52 cm vielleicht für den Umfang und wundert sich, dass das Teil doppelt so weit ist.
- Umfang nur als Näherung. Als Faustregel ergibt das doppelte Flachmaß ungefähr den Umfang. Wenn du ihn angibst, dann mit „ca.“: „Bund 40 cm flach (ca. 80 cm Umfang)“.
- Sinnvoll runden. Unsere Empfehlung: auf halbe Zentimeter. Bei weichem Stoff weichen zwei Messungen ohnehin oft um ein paar Millimeter voneinander ab.
- Dehnbares ungedehnt messen. Bei Strick, Jersey oder Gummibund misst du im entspannten Zustand und schreibst „dehnbar“ dazu.
- Zentimeter und Zoll. Ein Zoll sind genau 2,54 cm. Verkaufst du auch ins Ausland, lohnt sich beides: „56 cm (22 in)“.
- Immer dieselbe Reihenfolge. Wer zwei deiner Teile vergleicht, soll das Maß an derselben Stelle finden.
Achsel zu Achsel: so misst du die Breite von Oberteilen
„Achsel zu Achsel“ ist die Breite eines Oberteils von einer Achselnaht zur anderen, flach gemessen, also dort, wo Ärmel und Körper zusammentreffen. Leg den Anfang des Maßbands an die eine Achselnaht und miss gerade quer hinüber zur anderen. Bei Jacken gilt dasselbe, mit geschlossenem Reißverschluss oder geschlossener Knopfleiste. Fehlt eine klare Achselnaht, etwa bei Fledermausärmeln, misst du knapp unter dem Ärmelansatz und schreibst dazu, wo genau.
Welche Maße je Kleidungsstück ins Listing gehören
Die Tabelle ist eine Empfehlung für den Alltag mit Einzelstücken. Drei bis fünf Maße je Teil reichen meist, um die Passform einzuschätzen. Hosen brauchen eher mehr, ein Rock kommt mit weniger aus.
| Kleidungsstück | Maße (Empfehlung) | So misst du |
|---|---|---|
| T-Shirt, Pullover, Hemd, Sweatshirt | Achsel zu Achsel, Länge, Ärmellänge, Schulterbreite | Länge vom höchsten Punkt der Schulter neben dem Kragen bis zum Saum; Ärmel ab Schulternaht bis zum Bündchen; Schulter von Naht zu Naht |
| Jacke, Blazer, Mantel | Achsel zu Achsel, Länge, Ärmellänge, Schulterbreite | Geschlossen messen; bei Raglanärmeln ohne Schulternaht den Ärmel ab Kragennaht messen und das dazuschreiben |
| Hose, Jeans, Trainingshose | Bundweite, Leibhöhe, Schrittlänge, Oberschenkel, Beinöffnung | Bund flach von Kante zu Kante; Leibhöhe vorne von der Schrittnaht bis zur Bundoberkante; Schrittlänge innen von der Schrittnaht bis zum Saum; Oberschenkel knapp unter dem Schritt |
| Shorts | Bundweite, Leibhöhe, Schrittlänge, Beinöffnung | wie bei Hosen |
| Kleid | Achsel zu Achsel, Taille, Hüfte, Gesamtlänge | Taille an der schmalsten Stelle, Hüfte an der breitesten, jeweils flach; Gesamtlänge wie bei Oberteilen vom höchsten Schulterpunkt bis zum Saum |
| Overall, Jumpsuit | Achsel zu Achsel, Taille, Schrittlänge, Gesamtlänge | Oberteil- und Hosenmaße kombiniert |
| Rock | Bund, Hüfte, Länge | Länge von der Bundoberkante bis zum Saum |
Bei der Länge von Oberteilen gibt es zwei verbreitete Wege: vorne ab dem höchsten Schulterpunkt oder hinten mittig ab der Kragennaht. Beide sind in Ordnung, solange du dich festlegst und im Shop einmal erklärst, wie du misst. Dasselbe gilt für alle Maße. Eine kurze Seite „So messen wir“, auf die jedes Listing verlinkt, kann dir viele Rückfragen ersparen.
Ein fester Maßblock zum Kopieren
Am leichtesten lesen Käufer Maße, die bei jedem Teil an derselben Stelle und in derselben Reihenfolge stehen. Ein Baustein für Oberteile:
- Größe laut Etikett: L
- Achsel zu Achsel (flach): 56 cm (22 in)
- Länge (höchster Schulterpunkt bis Saum): 68 cm (26,8 in)
- Ärmel ab Schulternaht: 61 cm (24 in)
- Schulter (Naht zu Naht): 50 cm (19,7 in)
Und einer für Hosen:
- Größe laut Etikett: W32 L32
- Bundweite (flach): 40 cm (15,7 in), ca. 80 cm Umfang
- Leibhöhe vorne: 29 cm (11,4 in)
- Schrittlänge: 81 cm (31,9 in)
- Oberschenkel (flach): 31 cm (12,2 in)
- Beinöffnung (flach): 20 cm (7,9 in)
Dass Etikett und gemessener Bund nicht genau zusammenpassen, ist bei getragener Kleidung nichts Ungewöhnliches. Genau dafür stehen die Maße da. Zahlen- und Doppelgrößen wie „52“ oder „XL/TG“ übernimmst du so, wie sie auf dem Etikett stehen, und sicherst sie mit den Maßen ab.
Einen Passform-Hinweis wie „fällt aus wie eine heutige M“ schreibst du nur, wenn du das Teil wirklich verglichen oder anprobiert hast. Sonst lässt du ihn weg, die Maße sprechen für sich. Den Zustand beschreibst du direkt darunter. Wie du ihn einheitlich einstufst, steht im Ratgeber Zustand von Kleidung beschreiben.
Maßband mit aufs Foto?
Darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche Händler legen das Maßband bei jedem Teil sichtbar aufs Foto, andere raten davon ab. Beides hat Gründe:
- Dafür: Das Foto belegt, wie du gemessen hast, und hilft dir bei einer späteren Rückfrage.
- Dagegen: Das Maßband lenkt vom Teil ab, die Zahlen sind auf dem Handy oft kaum lesbar, und was nur im Bild steht, lässt sich kaum durchsuchen.
Ein praktikabler Mittelweg: Die Werte gehören als Text ins Listing, denn Text kann jeder lesen und durchsuchen. Auch Shopify schlägt vor, Produktspezifikationen wie die Größe in die Produktbeschreibung aufzunehmen (Shopify-Hilfe: Produktbeschreibungen). Ein Maßfoto ist dann eine Zugabe. Wenn du es zeigst, dann weiter hinten in der Bildreihe: Das erste Bild eines Produkts ist sein Hauptbild und erscheint auf Kollektionsseiten, im Warenkorb und im Checkout (Shopify-Hilfe: Medien hinzufügen).
Mit Klamox liest die KI Weite und Länge in cm, wenn du das im Workflow unter „Bilder & Reihenfolge“ → „Maße-Foto“ einstellst. Dafür gibt es zwei Wege: ein eigenes Maße-Foto, etwa ein Foto oder Screenshot deiner notierten Maße aus einer Notizen-App, oder „Wird vom Etikett-Foto mitgelesen“, wenn die Maße auf deinem eigenen Etikett-Kärtchen stehen. Der zweite Weg setzt mindestens ein Etikett-Foto im Workflow voraus. Steht das Maße-Foto auf „Keins“, werden keine Maße gelesen. Ein mitfotografiertes Maßband abzulesen, ist dafür nicht vorgesehen. Ein eigenes Maße-Foto geht nie in den Shop, das Etikett-Kärtchen nur, wenn du bei „Etikett-Fotos mit hochladen?“ Ja wählst (Standard: Nein). Getippte Ziffern sind die bessere Wahl, denn Handschrift wird deutlich schlechter erkannt als Druck. Was die KI liest, ist ein Vorschlag: Das Produkt entsteht standardmäßig als Entwurf, und dort prüfst du die Werte vor dem Veröffentlichen.
Fest eingebaut sind nur diese zwei Werte. Schreib sie mit den Bezeichnungen „Weite“ und „Länge“ auf, denn nach diesen Wörtern fragt die KI, und notier sie als Zahl in Zentimetern, ohne „ca.“: Ein Wert wie „ca. 50“ steht zwar in der Beschreibung, wird aber kein Metafeld. Welches Maß du als Weite nimmst, legst du selbst fest. Am einfachsten wird es mit einem Kärtchen für alles: SKU und Maße draufschreiben und zusammen fotografieren, wie im Ratgeber SKU-System für Einzelstücke beschrieben.
Maße im Shopify-Shop zeigen
Für die Anzeige im Shop hast du zwei Wege, die sich gut kombinieren lassen.
1. Der Maßblock in der Beschreibung
Der einfachste Weg kommt ohne Metafelder und ohne Theme-Anpassung aus: Der Maßblock von oben steht in der Produktbeschreibung, bei jedem Teil gleich aufgebaut.
2. Maße als Metafelder
Metafelder sind zusätzliche Felder am Produkt. Shopify nennt Maße selbst als Beispiel dafür, dort am Beispiel von Möbeln (Shopify-Hilfe: Metafelder). Der Vorteil: Jedes Maß steht in einem eigenen Feld und lässt sich im Theme an fester Stelle anzeigen, statt im Fließtext zu verschwinden.
- Der passende Typ: In der Kategorie „Messung“ gibt es den Inhaltstyp „Dimension“. Er nimmt ganze Zahlen und Dezimalwerte mit metrischer oder imperialer Einheit an (Shopify-Hilfe: Metafeld-Typen). Gespeichert wird der Wert mit ausgeschriebener Einheit, etwa {"value": 52.0, "unit": "centimeters"} (shopify.dev: Datentypen).
- Ein Feld je Maß: Leg für jedes Maß, das du regelmäßig angibst, eine eigene Definition an, etwa „Achsel zu Achsel“, „Länge“ und „Ärmellänge“.
- Viele Teile auf einmal per CSV: Produkt-Metafelder lassen sich per CSV importieren. Der Spaltenkopf folgt dem Muster Name (product.metafields.namespace.key). Namensraum und Schlüssel findest du unter Einstellungen → Metafelder und Metaobjekte → Produktmetafelder (Shopifys CSV-Hilfe nennt den Bereich noch „Benutzerdefinierte Daten“). Für Maße nennt Shopify das Format 25.0cm als Beispiel. Varianten-Metafelder gehen nicht per CSV (Shopify-Hilfe: CSV-Dateien).
- Erst exportieren, dann importieren: Exportier ein Produkt, bei dem das Feld schon ausgefüllt ist. Dann siehst du Spaltenkopf und Schreibweise genau so, wie dein Shop sie erwartet.
Damit die Felder im Shop erscheinen, verbindest du sie im Theme-Editor. So beschreibt es Shopify: Onlineshop → Themes → Theme bearbeiten, oben Produkte → Standardprodukt wählen, im Abschnitt Produktinformationen auf Block hinzufügen → Einklappbare Zeile, dann neben Zeileninhalt auf das Symbol Dynamische Quelle verbinden klicken und dein Metafeld auswählen. Das geht in Themes, die dynamische Quellen unterstützen. Bei älteren Themes, die Shopify „Vintage-Themes“ nennt (mit Vintage-Mode hat das nichts zu tun), braucht es Änderungen am Theme-Code. Weil du die Vorlage einrichtest, reicht eine Einstellung für alle Produkte: Jedes zeigt seine eigenen Werte, und bei Produkten ohne Wert bleibt der Abschnitt leer (Shopify-Hilfe: Metafelder verwenden).
Nicht verwechseln solltest du das mit den Kategorie-Metafeldern. Wählst du für ein Teil eine Bekleidungskategorie aus Shopifys Standard-Taxonomie, bietet Shopify dazu Felder an, bei Shirts etwa für Größe, Ausschnitt, Ärmellängen-Typ und Stoff (Shopify-Hilfe: Produktkategorie). Sie helfen Käufern beim Finden, ersetzen aber keine Maße: Ein Ärmellängen-Typ beschreibt eine Art von Ärmel, keine Länge in Zentimetern.
Nutzt du Klamox, haben zwei Schlüssel einen festen Typ. Erkannte Weite und Länge stehen als eigene Zeilen „Weite: …“ und „Länge: …“ unter der Beschreibung, solange die Workflow-Karte „Beschreibung“ nicht auf „Aus“ steht, und zusätzlich in den Metafeldern custom.weite und custom.laenge, immer vom Typ Dimension. Den Hinweis „flach gemessen“ tragen diese Zeilen nicht, den ergänzt du im Entwurf. Willst du die Werte im Theme zeigen, leg für beide Schlüssel eine Definition an (Namensraum custom, Schlüssel weite bzw. laenge) und wähl genau diesen Typ. Mit einem anderen Typ, etwa Text, passt der Wert nicht zur Definition, und die Produktanlage kann scheitern. Schulter, Ärmel und weitere Maße trägst du selbst ein. Lässt du sie über die Workflow-Karte „Eigene Felder (Metafelder)“ füllen, kommen sie als einzeiliger Text an; für diese Felder passt dann eine Definition vom Typ „Einzeiliger Text“, nicht „Dimension“.
Rechtlich: Maße gehören zur Beschreibung
Was du ins Listing schreibst, ist mehr als Service. Zur Beschaffenheit einer Sache zählen nach § 434 Abs. 2 BGB auch „sonstige Merkmale der Sache, für die die Parteien Anforderungen vereinbart haben“, und Maße in der Artikelbeschreibung können genau so eine Vereinbarung sein. Weicht das Teil davon ab, kann das ein Sachmangel sein (§ 434 BGB). Ob der Käufer dann vom Kauf zurücktreten kann, hängt auch davon ab, ob die Abweichung erheblich ist (§ 323 Abs. 5 BGB). Sorgfältig messen und das Flachmaß kennzeichnen schützt also auch dich. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung; bei einer konkreten Frage hilft eine Anwältin oder ein Anwalt.
Checkliste vor dem Veröffentlichen
- Größe laut Etikett angegeben?
- Alle Maße genommen, die für diese Art Kleidungsstück in der Tabelle stehen?
- Flachmaß als „flach“ gekennzeichnet, Umfang nur mit „ca.“?
- Einheit genannt, für internationale Käufer cm und Zoll?
- Reihenfolge wie bei deinen anderen Teilen?
- Dehnbares Material vermerkt?
- Passform-Hinweis nur, wenn du wirklich verglichen hast?
- Werte im Entwurf gegen deine Notiz geprüft?